[Rezension] "Die Unbarmherzigen" - Danielle Vega


Autor: Danielle Vega
Originaltitel: "The Merciless"
Verlag: bloomoon
Seitenzahl: 272
Alter ab: 14 Jahre
Format: Taschenbuch
Preis: 12,99€
ISBN:
978-3-8458-0723-2 

Erscheinungsdatum: 08.08.2014
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Inhalt
"Sofia ist neu in der Schule und dankbar, dass sich die nette Riley ihrer annimmt. Riley und ihre Freundinnen Grace und Alexis haben alles, was man sich wünscht. Sie sind beliebt, gut aussehend und kommen aus den besten Familien der Stadt. Und sie fühlen sich berufen – berufen dazu, ihre rebellische Mitschülerin Brooklyn wieder auf den rechten Weg zu bringen. Denn hinter der herablassenden Art des unangepassten Mädchens verbirgt sich etwas abgrundtief Böses, davon sind Riley und ihre Clique überzeugt. Riley will Brooklyns Seele retten und Sofia soll ihr dabei helfen. Was wie ein harmloser Streich beginnt, entwickelt sich zu einem Albtraum, aus dem es für Sofia schon bald kein Entrinnen mehr gibt …"

So verlockend unschuldig-pink dieses Buch auch anmuten mag, es hat mich gleich in mehreren Hinsichten überrascht: sehr negativ, aber auch positiv! Altersempfehlung ab 14 Jahren? -Setzen, sechs!
Noch nie habe ich ein Buch gelesen, bei dem ich gern durch die Buchhandlungen gehen und einen roten "ACHTUNG KEIN JUGENDBUCH"-Sticker auf jedes der Exemplare kleben würde. Aber lies selbst..
Nach all den Fantasy-Romanen und Science-Fiction-Schmökern, die ich in letzter Zeit gelesen habe, hatte ich tatsächlich mal wieder Lust auf ein wenig "Teenie-Coming-of-Age"-Jugendliteratur, gerne auch mit ein bisschen oberflächlichen, amerikanischen Klischee-Cliquen und so wenig phantastischen Elementen wie möglich.Mein Griff ins Regal ging also geradewegs zu diesem mädchenhaft pink-gefärbten Buchrücken, mit dem kleinen blutigen Fingerabdruck am oberen rechten Rand. Sieht ja, bis auf den blutigen Klecks, ziemlich harmlos aus!


Der Einstieg ins Buch verläuft noch relativ beschaulich. Sofia ist neu an der Schule und ihr bisheriges Leben hielt in Sachen Freundschaft nicht wirklich viel für sie bereit. Stattdessen wurde sie an ihrer alten Schule sogar aufs Übelste gemobbt und somit ist sie heilfroh (und zugegebenermaßen auch ziemlich überrascht), als die beliebte Riley und ihre Freundinnen Grace und Alexis sich ihrer annehmen.

Auch mit der rebellischen und geheimnisvollen Brooklyn schließt Sofia schnell Bekanntschaft. Riley und ihre Clique sind allerdings überzeugt davon, dass in Brooklyn das absolut Böse lauert. Als Riley Sofia dann eines nachts dazu überreden kann, ihr in ein leerstehendes Nachbarhaus zu folgen, traut Sofia ihren Augen kaum. Denn die Mädchen sind fest entschlossen, Brooklyns Seele zu retten..

Was sich an dieser Stelle noch wie eine harmlose Teeniegeschichte anhört, wandelt sich von Kapitel zu Kapitel immer mehr zu einem waschechten Horror-Schocker à la Jack Ketchum.
Da ich allerdings ein großer Fan des Selbigen bin, muss ich meine Buchbewertung hier ein wenig splitten.
Rein zur Story ist zu sagen, dass ich mich zwar ziemlich gut unterhalten fühlte und auch das Ende sehr gelungen ist, die Geschichte an sich allerdings nichts bahnbrechend Neues bietet.

Vega beschreibt viele Folterszenen (ja, genau: Folter!) sehr detailgetreu und ihr Schreibstil ist definitiv nichts für schwache Nerven. Wer eine solche Schreibweise nicht gewohnt ist oder sich drauf nicht einlassen mag oder kann, dem sei dringend davon abgeraten, dieses Buch zu lesen. 

Die Spannungskurve gefiel mir sehr gut. Gleich zu Beginn wartet die Geschichte mit einem kurzen Schockmoment auf, plätschert aber dann die ersten Kapitel lang eher dahin.
Nach und nach wird Sofia klar, dass Brooklyn vielleicht doch nicht, das zu unrecht verurteilte Unschuldslamm ist. Obwohl sie sich über ihre zahlreichen neuen Bekanntschaften glücklich schätzt, muss Sofia bereits hier abwägen, wem sie trauen kann und auf wessen Seite sie steht.

Dieser Zwiespalt ist der Autorin gut gelungen. Auch die Mobbingszenen, die Sofia an ihrer früheren Schule durchleben musste, werden rückblendenartig immer wieder eingestreut. Somit baut sich für den Leser - langsam aber stetig - eine Beziehung zur Protagonistin auf.

Die Story an sich ist nun nicht außergewöhnlich brilliant oder innovativ. Wer Ketchum, Laymon oder auch Kilborn kennt, der weiß, dass solche Geschichten selten mit tiefgründigen Charakteren oder logischen Handlungsweisen glänzen, sondern einzig und allein durch ihre Schockmomente und den blanken Horror in Form von detailgetreuen Umschreibungen körperlicher Verletzungen, Foltermethoden und Splatterszenen fesseln. Dies jedoch hat die Autorin in diesem Fall wirklich gut umgesetzt und auch das adrenalingeladene Finale macht durchaus Lust auf mehr.. 

Hätte ich von vorneherein gewusst, welche Art von Buch ich mit "Die Unbarmherzigen" lesen würde, wären wahrscheinlich sogar 4 Sterne oder mehr dringewesen.

Wäre da nicht die Tatsache gewesen, dass dieses Buch in der Jugend- und Young-Adult-Abteilung der Buchhandlungen ausliegen würde.
Wer zum Geier hat dieses Buch mit einer Altersempfehlung ab 14 Jahren ausgezeichnet? Ich war beim Lesen noch nie so schockiert über eine Alters-Einschätzung, wie bei "Die Unbarmherzigen". Schließlich wird dem Leser hier wirklich alles geboten: von abgeschnittenen Gliedmaßen über ausgebissene Hautfetzen bis hin zu skalpierten Schädeln, erlebt man hier ein wahres Feuerwerk an ekelerregenden Foltermethoden.

Ich kann nur noch einmal betonen, dass dieses Buch definitiv nichts für Jugendliche unter 16 Jahren ist (und auch dies ist eine noch sehr großzügige Einschätzung).


Allein aufgrund der Tatsache, dass dieses Buch so massiv die Zielgruppe verfehlt, ziehe ich ganze zwei Sterne ab. Jugendliche unter 16 Jahren sollten dieses Buch nicht lesen. Sofern man nicht genau weiß, welche Art von Geschichte hier geboten wird, ist dringend davon abzusehen, es in gutem Glauben zu verschenken. Das mädchenhaft-pink anmutende Cover verbirgt einen Inhalt, der alles andere als harmlos ist.

Die Story, der Spannungsverlauf, Hauptprotagonistin Sofia und nicht zuletzt der fesselnde Schreibstil der Autorin haben mir, für sich betrachtet, gut gefallen und mich gut unterhalten. Vorallem das Ende und die Aufklärung vieler Zusammenhängen haben dem Buch gut getan und waren in sich rund. Trotzdem macht der Schluss Lust auf eine Fortsetzung. Diese und auch andere Bücher von Danielle Vega würde ich sicherlich wieder lesen. Als Gesamtbewertung gebe ich "Die Unbarmherzigen"

3 von 5 Schmökerchen


Liebst, 


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