[Rezension] Aufstieg und Fall des Wollspinners William Bellman - Diane Setterfield

Titel: Aufstieg und Fall des Wollspinners William Bellman
Originaltitel: Bellman and Black
Autor: Diane Setterfield
Verlag: Blessing Verlag
Seitenzahl: 400
Format: Gebundene Ausgabe
Preis: 19,99€
ISBN: 978-3-89667-525-5
Erscheinungsdatum: 03.11.2014

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Inhalt
"William Bellman tötet als Kind eine Krähe, um seinen drei besten Freunden zu beweisen, wie gut er mit der Steinschleuder umgehen kann. Am Abend nach der Tat glaubt er, unter dem Baum, auf dem die Krähe saß, einen schwarz gekleideten Jungen zu sehen. Zunächst scheint dies kein schlechtes Omen zu sein: Als Jugendlicher beginnt William in der Wollspinnerei seines Großvaters zu arbeiten, sein Onkel ernennt ihn bald zum Teilhaber, und als die beiden plötzlich sterben, übernimmt William die Spinnerei und macht daraus ein Erfolgsunternehmen. Doch dann häufen sich die mysteriösen Todesfälle in seiner Umgebung, seine Frau und seine Kinder erkranken schwer. Und William begegnet immer wieder einer dunklen Gestalt, die ihm schließlich einen verhängnisvollen Pakt anbietet, um seine Existenz und sein Glück zu retten ..."

Nachdem ich vor einigen Wochen bereits "Aufstieg und Fall großer Mächte" von Tom Rachman gelesen habe (und restlos begeistert war - hier meine Rezension), machte mich der Titel dieses Buches zunächst einfach nur neugierig. Zufall? Der Sprung auf das Trittbrett der "Aufstiege und Fälle"? Wie auch immer, "Aufstieg und Fall des Wollspinners William Bellman" hat mir viele - und es waren wirklich erstaunlich viele - Stunden Lesespaß beschert!


Der junge William Bellman lebt im England des 19. Jahrhunderts. Er ist attraktiv, arbeitet sich erfolgreich in die Wollspinnerei seines Großvaters ein, wird schließlich zum Teilhaber ernannt und es scheint immer deutlicher, dass alles, was dieser Wunderknabe anpackt, zu Gold wird. Die Frauenherzen fliegen Will nur so zu und schon bald gründet er eine Familie. Als plötzlich Onkel und Großvater sterben ist dies, wie der Titel schon vermuten lässt, nur der Anfang einer sich immer schneller windenden Spirale der Unglücks- und Todesfälle, denn über William Bellmans Leben liegt, seit seiner Kindheit, ein bedrohlich dunkler Schatten. Im Alter von 10 Jahren gelingt es ihm, mithilfe des perfekten Steins und einer selbstgebauten Zwille, aus unglaublicher Entfernung eine Krähe von einem Ast zu schießen. Doch Krähen vergessen nicht und so werden sie William zum stillen Begleiter.

Vom Eifer des Erfolges gepackt und als neuer Geschäftsführer völlig in die Unternehmensführung und seine neuen Geschäftsideen vertieft, bleibt William schließlich nur noch eine kleine Tochter, die ebenfalls schon im Sterben liegt. Doch auch im Angesicht ihres Todes, bleibt er der berechnende Geschäftsmann.

»Er machte sich der Krankheit vertraut. Beobachte. Verstehe. Handle. Er würde eine Lösung finden.«

Auf dem Friedhof, das Grab für seine Tochter ist bereits geschaufelt, entdeckt er schließlich eine schwarze Gestalt und der geschäftstüchtige Bellman wittert einen Deal. Doch ahnt er, welchen Preis er diesmal zahlen wird?



Die Idee der Story ist wahnsinnig interessant. Ein Pakt mit dem Teufel im 19. Jahrhundert - und auch den Krähen, die ja bereits das wunderschöne Cover zieren, werden im Buch zahlreiche Kapitel gewidmet. Es scheint allerdings fast, als hätte die Autorin diese einfach wahllos in die Geschichte eingestreut. Je poetischer und bedeutungsschwerer die Kapitel um die Krähen anmuten, desto eintöniger und kälter entwickelt sich die Geschichte um den Wollspinner Bellman, der zwar nahezu seine komplette Familie verliert, jedoch kaum fähig zu einer wahren Gefühlsregung ist. Die emotionalen Passagen werden leider recht kurz abgearbeitet und auch zur Hauptfigur baut sich keine so rechte Sympathie auf. William Bellman ist und bleibt der absolute Emotionszombie. Trotzdem passt dies zur Wandlung, die die Geschichte und der Protagonist nehmen, ich gebe jedoch zu, dass ein paar Seiten weniger zur Unternehmensstruktur und dafür etwas mehr Tiefe der Charaktere, dem Buch durchaus gut getan hätten.

Soviel zu den negativen Aspekten. Auch wenn hier vielleicht der Eindruck entsteht, das Buch wäre durchweg langatmig und emotionsarm, so erstaunt es mich fast selbst, wie gut ich mich trotzdem unterhalten fühlte. Dies lag vorallem an den ungemein gut recherchierten, sehr spannenden Einblicken in die Struktur eines Unternehmens des 19. Jahrhunderts und der Industrie dieser Zeit. Die Abläufe in der Wollspinnerei vermochten mich ebenso zu fesseln, wie die zahlreichen Überlegungen, die William anstellte, um immer mehr Gewinn aus seiner "Self-made-Goldgrube" zu schürfen.

Ich bin deshalb ein wenig hin- und hergerissen in meiner Bewertung. Einerseits erscheinen mir 400 Seiten etwas viel in Anbetracht der Tatsache, dass die Geschichte ein relativ voraussehbares Ende nimmt und das Wesentliche, nämlich der Pakt zwischen William und der dunklen Gestalt auf dem Friedhof, lediglich einen kleinen Teil darstellt. Auf der anderen Seite konnte mich das Buch wirklich sehr unterhalten, auch wenn ich das Gefühl hatte, die Seiten nicht ganz so schnell aufnehmen zu können wie üblich.

Schreibstil und Ausdrucksweise sind der Zeit angemessen und trotzdem äußerst angenehm zu lesen. Diane Setterfield hat mit "Aufstieg und Fall des Wollspinners William Bellman" einen Roman geschaffen, der die Gemüter spaltet. Auch wenn ich bisher unfassbar viele, vernichtende Rezensionen gelesen habe, hat mich die Geschichte fasziniert. Wer über jede Menge Spielraum für Interpretationen hinwegsehen kann und dafür den Reiz einer Geschichte, voll düsterer Atmosphäre und mystischen Passagen zu schätzen weiß, dem sei dieses Buch sehr ans Herz gelegt. 
Ich habe meine Bewertung ein wenig aufgerundet und gebe, trotz der kleinen Abzüge:


 4 Schmöker-"krähen"




Liebst,


Kommentare:

  1. Hallöchen Anna,
    also ich habe zu diesem Buch bisher eine sehr schlechte Rezension gelesen und deine. Ich bin ein bisschen hin und hergerissen. Eigentlich fand ich die Idee der Geschichte ganz nett... Hm. Naja aber du hast auch aufgerundet, hast du gesagt.. wahrscheinlich werde ich das Buch nicht lesen.. Danke für die Entscheidungshilfe. :D

    Liebst, Lotta

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    1. Hallo Lotta!
      Also dieses Buch ist wirklich sehr speziell. Und ich brauchte wirklich lange, es durchzulesen.. Hätte mich die ganze Sache mit der Wollspinnerei nicht so fasziniert, hätte es wahrscheinlich wesentlich schlechter bei mir abgeschnitten :)

      Liebste Grüße!

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  2. Da bin ich zwiegespalten - einerseits spricht mich die Grundidee total an, andererseits habe ich immer Probleme mit Büchern, bei denen ich keine emotionale Bindung zu den Hauptcharakteren aufbauen kann.

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    1. Hallo Mikka! :)
      So geht es mir eigentlich auch. Aber bei diesem Buch habe ich einfach stets im Hinterkopf behalten, dass die emotionale Kälte der Hauptfigur ja auch ein wesentlicher Teil der Geschichte ist, Eben auch sein Aufstieg und Fall. Das machte es in diesem Fall um einiges erträglicher :)

      Viele Grüße
      Anna

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  3. Puh, ich bin jetzt ein wenig beruhigt, dass du das Buch eigentlich ganz gut gefunden hast. Ich liebe das Debüt von Setterfield und habe ich schon so auf dieses Buch gefreut. :)
    Du machst mir Mut, dass es mich doch nicht enttäuschen wird.
    Liebe Grüße
    Mareike

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