[Hörbuch-Rezension] "Die Analphabetin, die rechnen konnte" - Jonas Jonasson


Titel: "Die Analphabetin, die rechnen konnte"
Autor: Jonas Jonasson
Verlag: Der Hörverlag
Sprecher: Katharina Thalbach
Länge: 851
 Minuten, ungekürzt, Audio-CD
Preis: 24,99€
ISBN:
978-3-8445-1416-2
Erscheinungsdatum: 22.11.2013
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Inhalt
"Mit fünf fing sie an zu arbeiten, mit zehn wurde sie Waise, mit fünfzehn wäre sie fast gestorben. Im Grunde deutet alles darauf hin, dass sie ihr Dasein in ihrer Hütte im größten Slum Südafrikas fristen würde. Wenn sie nicht die gewesen wäre, die sie war, aber die war sie eben. Nombeko Mayeki war die Analphabetin, die rechnen konnte. Das Schicksal führt sie in die internationale Politik, auf die andere Seite des Erdballs. Auf ihrer Reise gelingt es ihr, dem meistgefürchteten Geheimdienst der Welt auf der Nase herumzutanzen, bis sie sich eines Tages eingesperrt im Laderaum eines Lieferwagens wiederfindet. Und in diesem Moment schwebt die ganze Welt, wie wir sie kennen, in höchster Gefahr."

Nachdem ich "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" mit großer Begeisterung verschlungen habe, war Jonas Jonassons neuer Streich ein absolutes Muss für mich! Leider hätte ich ohne Katharina Thalbachs wunderbare Erzählstimme nicht bis zum Ende durchgehalten..

 
Das Schicksal der jungen Nombeko scheint es nicht allzu gut mit ihr zu meinen: geboren inmitten eines afrikanischen Slums ist sie Tag um Tag mit dem Leeren von Latrinenbehältern beschäftigt.
Jedoch ist die junge Afrikanerin ist mit überdurchschnittlicher Intelligenz und einem herausragenden Talent im Umgang mit Zahlen und mathematischen Formeln gesegnet. Ganz zum Leidwesen ihres Vorgesetzten stellt sich schnell heraus, dass sie nicht nur besser rechnen kann als er, sondern auch ihren Mitmenschen intellektuell haushoch überlegen ist.

Als Nombeko deshalb ihren Job verliert, nimmt eine skurrile Reise ihren Anfang, die sie raus aus den Slums von Soveto bis nach Europa führt. Auf ihrem Weg hilft sie beim Bau eines Nuklearsprengsatzes, gerät ins Visier des israelischen Geheimdienstes, beeinflusst die internationale Politik und kämpft dabei pausenlos gegen die konstante Dummheit ihrer Mitmenschen an. In Schweden angekommen gelangt das junge Mädchen in den Besitz einer Atombombe, die eigentlich gar nicht existiert und die sie so schnell wie möglich loszuwerden versucht. Als wäre das nicht schon Aufregung genug, lernt sie auch noch ihre große Liebe kennen, die ebenfalls eigentlich gar nicht existiert.


Wie schon Jonassons Vorgänger "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" strotzt dieses Buch nur so vor irrwitzigen Wendungen, verrückten Ideen und den abenteuerlichsten Zufällen. Der Autor schubst die ohnehin schon kuriosen, aber irgendwie sympathischen Charaktere in die aberwitzigsten Situationen und konstruiert einen Handlungsverlauf, der bizarrer nicht sein könnte. Und genau dies ist mein größter Kritikpunkt. Die Geschichte wirkt ab der Hälfte des Buches stark konstruiert. Der Verlauf, den Nombekos Reise nimmt, wird immer unglaubwürdiger und besteht letztlich fast nur noch aus einer Aneinanderreihung alberner Geschehnisse. Der Humor, der beim "Hundertjährigen" noch originell und feinsinnig war, erscheint hier leider manchmal etwas platt und gezwungen. Ich hatte den Eindruck, Jonasson wollte mit diesem Buch zu schnell an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen. Schade!


Bis hierher könnte man meinen, "Die Analphabetin, die rechnen konnte" hätte kaum einen Stern in der Bewertung verdient. Doch weit gefehlt! Denn auch wer meint, sich nicht auf eine solch skurrile Story einlassen zu können, den wird Hörbuchsprecherin Katharina Thalbach eines Besseren belehren! Mit ihrer kratzigen, ausdrucksstarken Stimme passt sie perfekt zu diesem außergewöhnlichen Buch und seinem ungewöhnlichen Stil. Egal wie absurd die Wendungen auch wurden, Katharina Thalbachs einfühlsames und brilliantes Lesen ließ mich dieses Hörbuch einfach nicht zur Seite legen! 

Kleiner Eindruck gefällig? Der Hörverlag hat ein kurzes Interview mit der charismatischen Schauspielerin und Regisseurin online gestellt. Einfach sympathisch, oder?




"Die Analphabetin, die rechnen konnte" reicht nicht an Jonassons "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" heran. Nombekos irrwitzige Geschichte und der leichte, von erlesenem Wortwitz durchzogene Schreibstil sorgen allerdings für abwechslungsreiche Unterhaltung und auch das politische Weltgeschehen wird auf raffinierte Art und mit einem Augenzwinkern betrachtet. Obwohl die Handlung, vorallem nach der ersten Häfte, etwas konstruiert wirkt bietet sie dennoch ein kurzweiliges und spaßiges Hörerlebnis, das vorallem der grandiosen Sprecherin zu verdanken ist!


3 von 5

Liebst,



1 Kommentar:

  1. Hey,
    gerade eben bin ich durch Martins "Buchwellenreiter" auf deinen Blog und diese Rezension aufmerksam geworden. Als ich gerade gelesen habe, dass Katharina Thalbach das Hörbuch liest, wurde ich wahnsinnig neugierig auf die Geschichte. Bisher hat mich aber der potentiell mathematische Teil vom lesen bzw. hören abgehalten :-)
    Es ist wirklich schade, dass dir der Roman nicht so gut gefallen hat, wie "Der Hundertjährige". Ich muss ehrlich gestehen, dass meine Euphorie für den Hundertjährigen immer wieder ins Wanken gerät. Ich habe die Verfilmung gesehen und finde sie einfach nur grauenhaft. Das Buch hebt viel interessantere Aspekte der Geschichte hervor. Dennoch ist für mich durch das Schauen des Films irgendwas "kaputt" gegangen.
    Ich werde mich jetzt weiter hier umschauen und bedanke mich für deine Rezension.
    viele Grüße
    Emma

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