[Rezension] "Isegrim" - Antje Babendererde


Titel: "Isegrim"
Autor: Antje Babendererde
Verlag: Arena Verlag
Seitenzahl: 416

Format: Gebundene Ausgabe
Preis: 16,96€
ISBN:
978-3-401-06753-7
Alter: ab 14 Jahren

Erscheinungsdatum: August 2013
Hier gelangst Du zur Verlagsseite





 Inhalt
"Ein ungesühntes Verbrechen. Ein düsteres Geheimnis. Und ein Mädchen, das nicht bereit ist, wegzusehen.
Der Wald ist Jolas Refugium. Hier kennt sie jeden Winkel, jeden Baum, jedes Tier. Hier ist sie weit weg von ihrer überängstlichen Mutter, der Langeweile in ihrem Heimatdorf und dem besitzergreifenden Freund. Doch in der letzten Zeit gehen Veränderungen im Wald vor sich. Irgendetwas oder irgendjemand treibt hier sein Unwesen, beobachtet sie, folgt ihr. Als Jola auf einen fremden Jungen trifft, der sie seltsam fasziniert, scheint das Rätsel gelöst. Sie ahnt nicht, welches düstere Geheimnis der Wald noch hütet. Und dass hinter allem ein furchtbares Verbrechen steht, das Jola seit fünf Jahren zu vergessen versucht."

Dieses Buch mit dem wunderschön illustrierten Cover ist zwar schon seit 2013 in den Buchhandlungen erhältlich, trotzdem war es für mich als absoluter Wolfs- und vorallem Wildnis-Fan seit Langem mal wieder eine spannende Abwechslung im dichten Wald der Jugendbücher! Eine echte Empfehlung für alle, die Lust auf einen atmosphärischen Psycho-Thriller und einen Hauch Märchen, gepaart mit einer geheimnisvollen Liebesgeschichte und interessanten Hintergrundinformationen zum König des Waldes haben. Ahuuuu!





Die 16-jährige Jola lebt mit ihrer überängstlichen Mutter und ihrem Vater, dem Revierförster, im kleinen Dorf Altenwinkel im Thüringer Wald. In dieser  "Scheißidylle", wie Jolas Freundin Sassy zu sagen pflegt, kennt jeder jeden und die Dorfgemeinde ist geprägt von Vorurteilen, Klatsch und der Angst vor allem, was von außerhalb kommt. 
Ein Schulprojekt schürt das Misstrauen der Dorfbewohner noch weiter, als Jola und ihre Freunde bei ihren Recherchen auf ein ungeklärtes Verbrechen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stoßen.
Immer wieder flüchtet Jola sich deshalb in den Wald, in ihr Refugium. Hier kennt sie jedes Tier und jeden Zweig. Der Wald gibt ihr Sicherheit. 

Doch etwas ist anders in letzter Zeit. Täglich verschwinden Dinge im Dorf und immer wieder fühlt Jola sich im Wald beobachtet. Als dort plötzlich nicht nur ein Wolf auftaucht, sondern sie auch noch auf den geheimnisvollen, stillen Olek trifft, der sich ebenfalls im Schutz der Bäume versteckt hält, überschlagen sich die Dinge. 
Alte Wunden brechen auf und Jola zieht nicht nur den Zorn der Dorfgemeinschaft auf sich, die langsam zu zerbrechen droht. Etwas Bedrohliches braut sich in dem idyllischen Altenwinkel zusammen und über allem schwebt ein furchtbares Verbrechen, das Jola seit fünf Jahren zu vergessen versucht. 



Bereits die ersten Seiten des Buches zogen mich sofort in ihren Bann. Durch die unglaublich lebendigen Beschreibungen des Waldes, mit all seinen Tieren, Pflanzen, Farben und Gerüchen, entsteht in Windeseile das Gefühl, man  könne durch die Seiten hindurch in Jolas Refugium treten und das Rauschen der Bäume mit eigenen Ohren hören! 
Mit viel Liebe zum Detail lässt Antje Babendererde die Bewohner des fiktiven Dorfes Altenwinkel zum Leben erwachen. Gekonnt zeichnet sie die unterschiedlichen Eigenheiten und Charakterzüge der Figuren und schafft somit die perfekte Grundlage für einen dichten Psychothriller, bei dem bis zum Schluss unklar ist, wem Jola trauen kann.
Angefangen bei ihrer psychisch kranken Mutter, über die schrulligen, verkappten Tratschweiber des Ortes, bis hin zu Jola selbst, deren Handlungen und Gefühle stets authentisch und nachvollziehbar waren, hatte ich rasch ein perfektes Bild des Dorfes und seiner Bewohner vor Augen.

Besonders gefallen hat mir Protagonistin Jola, die mit ihrer Vielschichtigkeit zu einem ganz besonderen Charakter wird. Ihre persönlichen Probleme, wie die überfürsorgliche, kranke Mutter oder die unglückliche Beziehung zu ihrem Freund Kai, trägt sie meist mit sich selbst aus. Im Wald geht sie ihren Gedanken nach und es scheint, als flüchte sie sich dort in ihre eigene Welt. Auf der anderen Seite drängt in ihr der Wunsch hervor, die Wahrheit über ein Verbrechen herauszufinden, das nun 5 Jahre zurückliegt, von dem sie aber unmittelbar betroffen ist. Und über ein Geheimnis, welches die Dorfbewohner tief und fest in den Mantel des Schweigens hüllen.

Ein weiteres Thema des Buches, welches Babendererde meiner Meinung nach mit genau der richtigen Achtsamkeit und Sensibilität anspricht, ist die Rückkehr der Wölfe in unsere heimischen Wälder. Im Buch wird mehr als deutlich, welche Argumente die verschiedenen Fraktionen -Befürworter und Wolfs-Gegner - vertreten und welche Ängste die Bevölkerung noch immer vor diesen faszinierenden Tieren hegt.
Da ich selbst ein großer "Wolfs-Fan" bin und weiß, mit welchen hanebüchenen Schauermärchen vorallem Jäger, Schafzüchter oder Hühnerstallbesitzer gegen die Ansiedlung der Wölfe angehen, finde ich es umso lobenswerter, dass die Autorin diesen Aspekt in ihrem Buch behandelt.

Durch die vielen interessanten Fakten, wird einfach jeder, der dieses Buch liest, unweigerlich zum absoluten Wolfs-Kenner und die Könige des Waldes danach definitiv mit anderen Augen sehen!

Erstaunlich ist auch, mit welcher Raffinesse die Autorin es schafft, die verschiedenen - zunächst nur nebeneinander herlaufenden - Handlungsstränge miteinander zu verweben, um schließlich in einem unerwarteten, komplexen und schockierenden Finale zu enden. Dabei bleibt die Geschichte stets schlüssig und wirkt zu keinem Zeitpunkt konstruiert oder unlogisch.




Nicht nur aus diesem Grund ist "Isegrim" ein Buch, das nach dem Lesen noch lange nachhallt ( und bei mir letztendlich in einigen Wolfszeichnungen gipfelte!) und mich sicherlich noch einige Zeit beschäftigen wird. Es ist ein leiser und dichter Thriller, der tief in die menschlichen Abgründe hinabsieht und vorallem die Frage der Schuld und der Unschuld aus ganz verschiedenen Sichtweisen betrachtet. Durch die wunderbare Liebesgeschichte und Lolas fast alltägliche, sehr reale Probleme ist es trotzdem ein wertvolles und lehrreiches Jugendbuch, das ich uneingeschränkt empfehlen kann!


5 von 5





Liebst,



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen