[Hörbuch-Rezension] "Der Ozean am Ende der Straße" - Neil Gaiman

Titel: "Der Ozean am Ende der Straße"
Autor: Neil Gaiman
Verlag: Lübbe Audio
Sprecher: Hannes Jaenicke
Länge:
267 Minuten, ungekürzt
Format: Audio-CD
Preis: 16,99€
ISBN: 
  978-3-8387-7422-0
Erscheinungsdatum: 08.10.2014
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Inhalt
"Es war nur ein Ententeich, ein Stück weit unterhalb des Bauernhofs. Und er war nicht besonders groß. Lettie Hempstock behauptete, es sei ein Ozean, aber ich wusste, das war Quatsch. Sie behauptete, man könne durch ihn in eine andere Welt gelangen. Und was dann geschah, hätte sich eigentlich niemals ereignen dürfen - Weise, wundersam und hochpoetisch erzählt Gaiman in seinem neuen Roman von der übergroßen Macht von Freundschaft und Vertrauen in einer Welt, in der nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint."

Dies war mein erstes Buch von Neil Gaiman und was soll ich sagen: ich bin verzaubert, schockiert und fasziniert; und das alles aufeinmal! "Der Ozean am Ende der Straße" ist eine berührende Erinnerung an eine Kindheit, die trauriger, aber zugleich auch magischer nicht sein könnte!


"Jetzt liefen wir unter einem Baldachin aus Apfelblüten dahin, und die ganze Welt duftete nach Honig. 'Das ist das Problem mit lebenden Dingen. Sie sind nicht von Dauer. Heute ein Kätzchen, morgen eine Katze. Und dann nur noch eine Erinnerung. Und die Erinnerungen verblassen, gehen ineinander über und verlieren sich..."





So fantasievoll und wunderbar die Geschichte ist, die Neil Gaiman hier aus seiner Feder gezaubert hat, so unbeschreiblich und schwer in Worte zu fassen ist sie auch.
Sie beginnt mit einem etwa 50-jährigen, namenlosen Protagonisten, der nach der Beerdigung eines Familienmitgliedes in seine Heimat, irgendwo in England, zurückkehrt. Um dem Trubel der Familienfeierlichkeiten zu entgehen, fährt er mit seinem Auto - scheinbar ohne festes Ziel - durch die ländliche Idylle, als er plötzlich am Ort seiner Kindheit angelangt. Wie von Zauberhand steht er schließlich vor einem alten Haus, dem Hof der Familie Hempstock. Hier trifft er auf Lettie Hempstock, seine Freundin aus Kindertagen. Eine wundervolle Reise zu den Erinnerungen seiner Kindheit beginnt, bei der die Grenzen zwischen Realität und Fantasie; Vergangenheit und Gegenwart zu verschwimmen scheinen. 

Die Rückblende des Lebens des Protagonisten gleicht einer märchenhaften Erzählung, in der immer wieder die seltsame Familie Hempstock auftaucht, zu der lediglich weibliche Familienmitglieder zählen. Gaimans Hauptfigur, der ängstliche und schüchterne kleine Junge, lebt die meiste Zeit in der Welt seiner Bücher. Doch als er die mutige, siebenjährige Lettie kennenlernt, nimmt sein Leben einige unerwartete Wendungen.

Jahrzehnte später nun und gedankenverloren an Letties Ozean, der eigentlich ein Ententeich ist, sitzend, durchlebt er nocheinmal jene seltsamen Ereignisse, die sich damals ereigneten, als seine  Eltern die unheimliche neue Haushälterin einstellten und er immer wieder Zuflucht auf dem Hof der Hempstocks fand. In jenen Tagen war für Lettie und ihn sofort klar, dass etwas mit dem neuen Kindermädchen nicht stimmen konnte. Beim Versuch, hinter ihr Geheimnis zu kommen, stürzten die beiden Hals über Kopf in ein unglaubliches Abenteuer, das Gaimans namenlosen Jungen die gute und die dunkle Magie in unserer sonst so rationalen Welt erkennen ließ und ihn letztendlich zu dem machte, was er sein Leben lang sein sollte.



Die Rezension zu diesem Hörbuch fällt mir unglaublich schwer, denn die unfassbare Atmosphäre dieser Geschichte in Worte zu fassen, ist nahezu unmöglich! Zur Handlung möchte ich an dieser Stelle deshalb auch gar nicht mehr viel hinzufügen. Um zu verstehen, welcher fantastische Zauber in diesem Buch liegt, muss man es wirklich selbst gelesen - oder, wie ich, gehört - haben!

Ich gebe zu, dass ich mich an die Sprache zunächst ein wenig gewöhnen musste, bevor ich mich der Geschichte voll und ganz hingeben konnte. Und genau das ist der entscheidende Punkt: sich dem Erzählten einfach hinzugeben und es einfach auf sich wirken zu lassen, so wie es ist. 
Denn Gaiman erschafft eine fantastische Welt. Er reißt den Leser mit in einen magischen Strudel aus Unvorstellbarem, in dem alles möglich zu sein scheint. Dabei lässt er jegliche Erklärungen aussen vor und schildert das Leben des Jungen - und vorallem das der Hempstocks - mit einer wohltuenden Selbstverständlichkeit. 

"Erwachsene sehen im Inneren auch nicht wie Erwachsene aus. Äußerlich sind sie groß und gedankenlos, und sie wissen immer, was sie tun. Im Inneren sehen sie allerdings aus wie früher. Wie zu der Zeit, als sie in deinem Alter waren.
In Wirklichkeit gibt es gar keine Erwachsenen. Nicht einen auf der ganzen weiten Welt".


Nicht ein einziges Mal erschienen mir die phantastischen Elemente übertrieben oder unsinnig! Das Buch lebt von seiner aussergewöhnlichen Schreibweise und der dichten, magischen, aber auch düsteren Atmosphäre. Bis über das Ende hinaus, bleibt es dem Leser überlassen, wie er die märchenhafte Elemente deuten möchte.

Hannes Jaenicke als Sprecher passt, mit seiner rauen und trotzdem warmen Stimme, hervorragend zu diesem Hörbuch. Völlig gefesselt von der unglaublichen Geschichte, habe ich es tatsächlich innerhalb eines einzigen Tages gehört!


Mein "Ozean" am Ende der Straße
hinterm Haus :)

"Der Ozean am Ende der Straße" ist eines jener seltenen Bücher, die einen, nachdem die letzte Zeile gelesen ist, traurig und glücklich zugleich zurücklassen. Glücklich, über die unfassbare Schönheit und Intensität, die Neil Gaiman hier auf zauberhafte Art vermittelt hat. Und traurig darüber, dass es dann doch irgendwann vorüber war. Und auch, wenn ich die Geschichte nicht erneut "zum ersten Mal" hören und lesen kann, bin ich fest davon überzeugt, dass es nicht das letzte Mal gewesen sein wird und ich sicherlich noch viele Reisen zum "Ozean am Ende der Straße" unternehmen werde!

Diesem unfassbar magischen Buch kann ich nur die volle Punktzahl geben!


5 von 5



Liebst,


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