[Rezension] "Der Teufel von New York" - Lyndsay Faye



Titel: "Der Teufel von New York"
Originaltitel:
Autor: Lyndsay Faye
Verlag: dtv premium
Seitenzahl: 480
Format: Gebundene Ausgabe
Preis: 15,90€
ISBN:
978-3-423-24993-5
Erscheinungsdatum: 30.10.2014
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Inhalt

"Blut, Feuer und Schwefel   
New York 1845. Die gerade gegründete Polizei der Stadt ist ein zusammengewürfelter Haufen von Schlägertypen und seltsamen Vögeln. Auch Timothy Wilde gehört dazu - gegen seinen Willen. Bei einem Brand wurden seine Zukunftspläne zerstört, sodass er jetzt jede Arbeit annehmen muss, die sich bietet. Eines Tages läuft ihm ein völlig verstörtes kleines Mädchen in die Arme, bekleidet mit einem blutdurchtränkten Nachthemd. Sie will oder kann nicht sagen, wer sie ist. Da sie selbst körperlich unverletzt ist, muss das Blut von einer anderen Person stammen. Kurz darauf findet Tim auf einem entlegenen Gelände neunzehn Kinderleichen. Es kursieren die wildesten Gerüchte, und die politische Situation ist bis zum Zerreißen angespannt …"

Und wieder mal ein Buch, das im 19. Jahrhundert, meiner Lieblingsepoche, spielt! Dazu ein aufregender Klappentext und die begeisterten Stimmen der Kritiker - fertig war meine Sofa-Lektüre für's Wochenende.

Und nach einem etwas holprigen Start, kann ich es nun kaum erwarten, mir den zweiten Band um den Polizisten Timothy Wilde zu besorgen!





Nachdem die Bar, in der Timothy Wilde als Barkeeper ein einfaches, aber glückliches Dasein fristet, bei einem Brand zerstört wird, bietet sein exzentrischer Bruder Valentine ihm einen Job als Polizist in der neugegründeten Polizei New Yorks an. Da nicht nur Timothys gesamte Ersparnisse, sondern auch seine Zukunft zerstört scheint, nimmt er die Stelle widerwillig an.
Kurz darauf muss er nicht nur eine geistig verwirrte Frau festnehmen, die augenscheinlich ihr Baby ermordet hat; ihm läuft auch noch ein verstörtes kleines Mädchen in einem blutverschmierten Nachthemd in die Arme. Von nun an beginnen, für den frischgebackenen Polizisten, die ersten Ermittlungen, und es kommt noch schlimmer: auf einem abgelegenen Gelände stößt Timothy auf 19 verscharrte Kinderleichen. New Yorks Polizei jagt ihren ersten Serienmörder!


Dieses Buch vereint gleich mehrere sehr interessante Aspekte: zum Einen wird ein solider Krimi geboten, der mich bis zur letzten Seite fesseln konnte; zum Anderen schafft die Autorin es, dem Leser das Leben der "Unterschicht" im New York des 19. Jahrhunderts näher zu bringen.

Die Geschichte startet ruhig und gemächlich, doch die Atmosphäre ist düster und bedrückend. Durch Armut, Hunger und letztendlich vorallem durch die Wellen irischer Einwanderer, die an die Küste New Yorks gespült werden, ist die politische und kirchliche Situation angespannt. Lyndsay Faye beschreibt Umstände und Umgebung so detailreich und bildhaft, dass ich das Elend und den Gestank, der zu dieser Zeit durch New Yorks Armenviertel wehte, fast riechen konnte!

"Sollte es auf Erden eine breitere Straße als den Broadway geben, eine noch brodelndere Straße, eine Straße mit einem noch schwindelerregenderen Pendelausschlag zwischen ausgemergelten Opiumsüchtigen, denen die Fetzen vom Leib faulen und Damen in Ausgehkleidung, aufgetaktelt wie kleine Dampfschiffe, so kann ich mir das jedenfalls nicht vorstellen - und will es auch gar nicht." S.76
"Alles war dreckig, nur nicht die Schaufensterscheiben, alles war zu verkaufen, nur nicht die Pflastersteine, alles pulsierte vor Energie, aber keiner begegnete deinem Blick." - S.76

Besonders beeindruckt hat mich hierbei der Gebrauch der Gaunersprache "Flash", die die Autorin in ihrem Buch immer wieder einbaut. Zu jener Zeit war "Flash" eine Art Geheimsprache, die zwielichtige Gestalten für Gespräche nutzten, die nicht für jedermanns Ohren bestimmt waren.

Ich gebe zu, anfangs hat mich nicht nur der Gebrauch dieses Dialekts, sondern auch der sehr außergewöhnliche, aber absolut zur Atmosphäre passende Schreibstil in meinem Lesefluss gehemmt. Ja, ich hatte wirklich ein wenig zu kämpfen und war drauf und dran, das Buch wieder zur Seite zu legen. Hat man sich jedoch erst einmal an die etwas holprige Sprache gewöhnt, liest es sich wirklich wunderbar und die Straßen von New York lassen einen nicht mehr los - Ehrenwort!



Timothy Wilde stellt anfangs vielleicht noch den typischen Verlierer dar, der nur im Schatten seines charismatischen und exzentrischen Bruders Valentine zu stehen scheint. Nach und nach zeigt sich jedoch, was in ihm steckt: ein durchweg sympathischer Protagonist!
Es macht wirklich Spaß zu erfahren, wie die angespannte Situation - eine regelrechte Hassliebe - der beiden Brüder zustande kam und wie sie sich während der Geschichte weiterentwickelt.

Auch die anderen Charaktere konnten mich von Beginn an überzeugen, denn sie sind allesamt toll gezeichnet und keineswegs stereotypisch. Immer wieder werden die schwierigen Verhältnisse, in denen die Figuren leben, spürbar und vorallem die Situation der Waisenkinder sorgte nicht nur einmal für einen dicken Kloß im Hals!



"Der Teufel von New York"  wird nicht nur Fans historischer Romane begeistern, sondern auch jene, die Krimis mit solider Handlung und authentischen Charakteren zu schätzen wissen. Durch den anspruchsvollen Schreibstil ist dieses Buch ganz bestimmt keine leichte Lektüre für zwischendurch. Lässt man sich davon jedoch nicht abschrecken, so fühlt man sich bereits nach wenigen Kapiteln in eine Zeit versetzt, in der die arme Bevölkerung New Yorks, zwischen Schweinedung und Krankheiten lebt und die politische Situation die Stadt zu einem Pulverfass macht!

Ich muss für dieses Buch einfach eine absolute Leseempfehlung aussprechen! Die Autorin verwebt auf spannende Weise ausführlich recherchierte, historische Fakten mit einem fesselnden Kriminalfall, würzt das Ganze mit einer Prise Korruption und politischen Problemen und serviert uns das Ergebnis vor einer detailgetreuen und atmosphärischen Kulisse. Dafür kann ich nur die volle Punktzahl geben


5 von 5


"Der Teufel von New York" ist der erste Fall für Timothy Wilde.
Seit Kurzem liegt bereits der zweite Band dieser Krimi-Reihe "Die Entführung der Delia Wright" in den Lieblings-Buchhandlungen (zum Beispiel hier)


Was ist mit Dir? Liest Du gern Historische Romane?
Welche Epoche hat es Dir besonders angetan?

Ich selbst lese ja, wie Du mittlerweile sicherlich weißt, unglaublich gern Bücher, die im Viktorianischen Zeitalter spielen, also vorallem in der britischen Geschichte gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Das New York um 1845 war mir absolut neu, hat mich aber trotzdem total gefesselt, deshalb steht auch der zweite Band dieser Reihe schon auf meinem Wunschzettel!

Ich bin sehr gespannt auf Deine Antworten!

Allerliebst, 




1 Kommentar:

  1. Huhu Anna! ;)
    Hast du schon vom Bloggernetzwerk gehört? Wenn nicht, dann lass ich dir mal kurz den Link zum Hintergrund des Blogs da:
    https://bloggervernetzt.wordpress.com/an-blogger/
    Ich bin dort jedenfalls seit kurzem Mitglied und würde mich sehr freuen, wenn ich deine Rezension hier zu "Der Teufel von N.Y." verlinken dürfte. (Und mit deiner Erlaubnis auch in Zukunft ein paar deiner Rezensionen?)
    Und hier sende ich dir auch einen Beispiellink, wie es das Ganze im Endeffekt aussehen kann:
    https://bloggervernetzt.wordpress.com/2015/03/27/die-sieben-schwestern-01-von-lucinda-riley/#more-1436

    Ganz lieben Gruß ♥,
    Janine

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